Wer steckt eigentlich hinter … generato?

Entwickler sind Mangelware auf dem Arbeitsmarkt, Softwareprogramme sind zeitaufwendig und teuer – das Startup generato hat dafür eine Lösung entwickelt. Der visuelle Software-Generator verspricht eine effizientere Softwareentwicklung mit einer Zeitersparnis von bis zu 70 Prozent. Was genau dahinter steckt, wie das Team zusammengefunden hat und wie die Pläne des Startups aussehen, hat uns Gründer Cedrik im Interview verraten.

Cedrik, wie erklärst du auf einer Familienfeier, was generato genau ist und macht?
Das ist gar nicht so leicht. Meine Teammitglieder und ich benutzen dann folgende Metapher: Jeder weiß, wie ein Haus gebaut wird, aber nicht jeder weiß, wie Softwareentwicklung vonstatten geht. Was wir machen: Wir machen die Softwareentwicklung effizienter. Wie wir das machen: Im Prozess benutzen wir Methoden und unser eigenes Tool, damit der Entwicklungsprozess beschleunigt wird. Das kann man dann mit einem Fertighaus vergleichen, also ein Haus aus bestimmten Einzelteilen, was dann nur noch zusammengesetzt werden muss. Man muss nicht jeden einzelnen Stein aufeinander legen und dann merken, der Stein passt nicht und der auch nicht. Wir beschleunigen den Bauprozess dann so, dass wir mit einzelnen Modulen die Software von null auf 60/70 Prozent bringen können, ohne dass wirklich jede einzelne Kopfzeile, ohne dass jeder einzelne Stein aufeinandergestellt werden muss, sondern dass es vorgefertigte Wände, vorgefertigte Module gibt, die dann benutzt werden können.

Welches Problem löst ihr damit konkret?
Unser visueller Software-Generator macht Softwareentwicklung effizienter und das löst viele Probleme. Wir wissen ja alle, wie teuer Softwareprogramme sind. Beispielsweise ist das schwierig für ein junges Startup, das nicht die Expertise im Team hat, und das extern einkaufen muss. Das ist sehr teuer, zeitaufwendig und es gibt einfach nicht so viele Entwickler. Das sind die drei Hauptprobleme, die wir momentan lösen. Und das wichtigste Thema ist dabei die Zeit. Software-Projekte dauern sehr sehr lange. Mit unserem Generator kann sich jeder in kürzester Zeit sein Software-Projekt erstellen und einfach Sachen austesten ohne große Agenturen, Kosten etc. im Hintergrund, um mal eine kleine Software zu bauen.

Und wer sind eure Nutzer?
Momentan sind wir noch in der kostenfreien Beta-Version verfügbar. Hauptsächlich sind natürlich Entwickler unsere Zielgruppe. Wir haben Anmeldungen von Entwicklern in Großkonzernen, in Agenturen und auch von Freelancern. Jetzt, wo wir den offiziellen Release bald haben und dann das Tool auch kostenpflichtig wird, ist die Zielgruppe ganz klar Software-Agenturen, meistens kleine bis mittelständische, weil wir dort sehen, wie häufig dort Projekte neu begonnen werden. Und das ist unser größter Vorteil, gerade beim Projekt-Start die Infrastruktur aufzubauen und die Grundlagen zu schaffen. Die haben also den größten Mehrwert von uns und da haben wir bisher auch das beste Feedback bekommen.

Gründer Cedrik spricht mit uns über generato, bald auch im neuen Podcast zu hören.

Und was wird jetzt beim Release genau passieren?
Wir werden ein automatisiertes Pricing auf unserer Seite anbieten, so dass sich jeder Kunde selbst die Pakete aussuchen, buchen und sofort starten kann. Damit verbunden ist aber natürlich auch eine Akquise-Strategie. Wir sind momentan sehr viel auf LinkedIn unterwegs, sprechen alte Kontakte persönlich an. Das heißt, sehr viel geht von uns aus. Das machen wir relativ locker und nicht so super salesmäßig, wir sind ja ein junges Startup und brauchen Feedback. Also wir fragen gezielt, wäre das eine Lösung, die ihr bei euch in der Agentur verwenden könnt? Und so kommen wir dann mit den Leuten ins Gespräch und nach einer gewissen Zeit entwickelt sich das entweder in die Richtung, dass sie sagen: Ja, das ist was Cooles, das können wir bei uns nutzen. Oder Sie sagen: Wir bräuchten noch diese oder jene Funktionalität. Was uns dann natürlich auch sehr hilft. Dann arbeiten wir natürlich auch an unserem SEO Ranking, unseren Social Media-Auftritten, Presse-Erwähnungen, Blogposts etc., also begleitend zum Release an einer kompletten Content-Strategie.

Wann wurde denn aus der Idee zu generato ein Startup?
Das ist jetzt ungefähr anderthalb Jahre her. Die Idee kommt ursprünglich von Paul, das ist der Entwickler bei uns im Team. Er hat in einer Agentur gearbeitet und dort genau die gleichen Probleme wie viele erfahren. Es dauert alles sehr lange, man reißt eine Deadline, Deadlines werden verschoben. Die Kunden sind natürlich meistens zufrieden. Aber bezahlen dafür natürlich auch sehr viel. Und er hat sich gesagt, das muss doch irgendwie besser gehen. Und dann hat Paul angefangen schon während des Wirtschaftsinformatik-Studiums an einer Lösung zu arbeiten und für sich einen Prototypen zu entwickeln. Nach einiger Zeit ist er auf mich zugekommen, weil wir zusammen studiert haben und ich damals bei einem Startup gearbeitet habe. Auch daher kannte ich die Problematik. Und wir haben festgestellt: OK, das ist ne gute Sache, da können wir auf jeden Fall was draus machen. Wir haben angefangen, ein bisschen zu zweit an der Idee zu arbeiten. Noch gar nicht wirklich so zielführend, da wir beide eben gearbeitet und studiert haben. Da blieb dann nicht soviel Zeit. Damals kamen bei uns ziemlich schnell betriebswirtschaftliche Probleme auf, da war unsere Expertise noch nicht so gut. Dann haben wir Phillip, den dritten Co-Gründer kennengelernt, der mit seinem BWL- und International Management-Studium die ganzen BWL-Sachen abgedeckt hat. Und dass aus uns wirklich ein Startup wurde, war, als wir EXIST entdeckt haben. Wir haben dann angefangen den Antrag für das Gründerstipendium zu schreiben, das wurde letztes Jahr im Juli bewilligt und seitdem sind wir Vollzeit an generato dran. Das war dann der Moment, in dem uns bewusst wurde, jetzt sind wir wirklich ein Startup und kein Projekt, das wir nebenbei machen, wir hatten unsere Jobs gekündigt, das Studium beendet und dann ging es richtig los.

Und was bedeutet das für dich ganz persönlich in einem Startup zu arbeiten?
Ich war ja vorher lange Werkstudent bei familonet. Das ist ein relativ bekanntes Startup aus der Hamburger Szene, das dann von moovel, einer Tochterfirma von Daimler, aufgekauft wurde. Da habe ich schon gemerkt, das Arbeiten in einem Startup interessiert mich sehr. Sehr schnell und sehr agil Sachen umzusetzen ohne lange Prozesse und ähnliches. Deswegen bedeutet es für mich, einfach so zu arbeiten, wie ich es mir vorstelle. Sachen auszuprobieren und schnell ändern zu können, wenn sie nicht funktionieren. Diese Geschwindigkeit und diese Effektivität sind meiner Meinung nach wirklich nur in einem sehr jungen und neuen Unternehmen zu erreichen.

Generato veranstaltete kürzlich einen Meetup zum Thema Low Code.

Wie sehen eure nächsten Pläne aus?
Der nächste große Meilenstein sind jetzt Umsatzziele. Bis April/Mai wollen wir die ersten vierstelligen Umsätze fahren. Das brauchen wir dann auch, weil unser EXIST-Stipendium Mitte des Jahres ausläuft. Dafür brauchen wir die ersten wirklichen Kunden, mit denen wir Verträge unterschreiben. Jetzt in der Beta-Phase haben wir über 1000 Nutzer aus der ganzen Welt. Das funktioniert schon sehr, sehr gut. Da müssen wir jetzt aber validieren, ob auch wirklich eine Zahlungsbereitschaft besteht. Und dann gucken wir, wie unsere Umsätze sind und wie wir dann weiter verfahren.

Wo steht ihr in fünf Jahren?
Wir sind definitiv immer noch Vollzeit an generato tätig und unser Team ist signifikant gewachsen. Es gibt ja die Plattform GitHub. Da veröffentlichen viele Entwickler ihren Code. Was wir etablieren wollen, ist analog zu GitHub eine generato-Plattform, auf welcher Entwickler sich noch besser untereinander austauschen und voneinander profitieren können. Wir wollen damit in fünf Jahren die zentrale Anlaufstelle für Entwickler sein.

Und gibt es Tipps, die du anderen Gründern mit auf den Weg geben würdest?
Ja auf jeden Fall ANFANGEN. Nicht zu zögerlich sein. Ich denke, es gehört ein bisschen Mut dazu zu sagen, ich ziehe das jetzt durch. Aber ich würde es auf jeden Fall jedem empfehlen, man lernt am meisten, wenn man etwas selbst macht und das durchzieht. Und ich kann aus meiner eigenen Erfahrung sagen, dass meine Lernkurve in den letzten acht, neun Monaten sehr sehr stark ist und ich viel gelernt habe. Und ich würde auf jeden Fall auch dazu raten, allen und jedem von der Idee zu erzählen. Das ist immer so ein Klassiker, aber viele machen es dann doch nicht. Es ist einfach wichtig, direkt von vorneherein zu erfahren, wie das Feedback ist, ob die Leute das überhaupt verstehen, ob sie das Problem kennen. Da kann man gleich zu Beginn sehr viel lernen und die Idee sehr früh validieren, ohne viel Zeit zu verschwenden. Und wenn das Feedback dann gut ist, auch wirklich den Mut haben, ein bisschen mehr Zeit und Aufwand reinzustecken, damit das auch wirklich etwas wird.

Vielen Dank für das Interview, Cedrik, und viel Erfolg für den Release!

 

Background

Paul Coch (24) konnte sich während seiner Tätigkeiten bei Colliers International Deutschland und TXS als Full Stack-Entwickler sowie in seinem Wirtschaftsinformatik-Studium an der Leuphana Universität Lüneburg sein umfangreiches Wissen zur Softwareentwicklung aneignen. Bei Generato ist Paul Coch technischer Leiter und verantwortet die Produktentwicklung.
Philip Schenk (24) ist der kaufmännische Leiter des Teams und sammelte sein finanzielles Fachwissen in Positionen bei Airbus, Oerlikon und Donner & Reuschel sowie in seinen Masterstudium an der HAW Hamburg. In seinem International Business Studium konnte er das kaufmännische Wissen für seine Aufgaben erlangen.
Cedrik Dudek (24) übernimmt die operative Leitung und stellt das Bindeglied zwischen der Produkt- und Unternehmensentwicklung dar. In seiner Tätigkeit bei Familonet und moovel war er primär für das Nutzerwachstum zuständig und hat den Werdegang eines Startups mitbegleitet. Sein technisches Fachwissen eignete er sich in seinem Wirtschaftsinformatik-Studium an der Leuphana Universität Lüneburg an.