Pitch ’n Ship II – Corporates und Startups gemeinsam auf See

,Bereits zum zweiten Mal veranstaltet das Startup Dock gemeinsam mit PwC Next Level das maritim angehauchte interaktive Matchmaking für Startups und Corporates.

Logbucheintrag vom 29. Oktober 2019

16:00 Uhr – Die Crew trifft am Dock ein

Die Teilnehmer des diesjährigen Pitch ‘n Ship landen pünktlich in den Räumlichkeiten des Startup Dock.

16:15 Uhr – Die Besatzung wird eingenordet

Die ersten offiziellen Worte des Abends gehören dem Präsidenten der Technischen Universität Hamburg. Als sinnbildlicher Flottenadmiral begrüßt Hendrik “Ed” Brinksma die Abendgesellschaft und weist auf die große Bedeutung des heutigen Events hin. Er betont, dass Startups und etablierte Unternehmen einander bräuchten. Innovative Gründungen brächten Bewegung in bürokratische Firmen und ölten den Motor des Startup-Ökosystems in Hamburg. Brinksma stellt klar, dass gesundes Wachstum in allen Bereichen dieses Ökosystems notwendig sei, um effektive Verbindungen zwischen jungen UnternehmerInnen und Corporates nachhaltig fruchtbar zu machen.

Bevor der Flottenadmiral nach seiner intensiven Ansprache das Wort an den Executive Director des Startup Docks Christian Salzmann und an den Initiator von PwC Next Level Christoph Haß weiter gibt, hebt “Ed” hervor, wie sehr er sich freue, dass Pitch ‘n Ship schon zum zweiten Mal statt fände – und das in der “schönsten Stadt der Welt”, wie er sagt.

© Anne Gaertner

 

Captain of the Dock Christian Salzmann und PwC-Lieutenant Christoph Haß übernehmen die Navigation durch den Abend. Sie begrüßen die Teilnehmer des gemeinschaftlich entwickelten Matchmaking-Formats und klären über Ziele und  Abläufe von Pitch ‘n Ship auf.

Die Unterstützung junger Firmen sei essentiell. Der Fokus läge auf der dynamischen Hamburger Startup-Community, die die Stadt mitgestalte und innovativ stärke. Christoph verdeutlicht eine der wichtigsten Aufgaben: der Brückenbau zwischen Jungunternehmern und Mittelständlern sei wesentlich, um eine Zusammenarbeit zwischen starken Partnern zu ermöglichen und Synergien zu schaffen.

An diesem so bedeutenden Landesteg errichten PwC und das Startup Dock bei Pitch ‘n Ship die ersten Ankerplätze. Die Kooperation sei nicht nur zentral, sondern laufe auch außerordentlich gut, stellt Christian heraus. Dabei lotst das Startup Dock junge Gründer von der ersten Idee an durch die harschen Gewässer des Unternehmertums. Das Dock berät und vernetzt die Startups, sorgt für weitere Qualifizierungsmaßnahmen und macht aus Leichtmatrosen erfahrene Seebären.

16:30 Uhr – Ansprache der Kapitäne

Die abgestellten Kapitäne der bereits erfolgreich in See gestochenen Unternehmen entern nacheinander die Bühne.

Christoph Seeger, Head of Innovation & Digitalization von Continental Industry – ContiTech AG, darf als erster ran. Die ContiTech AG mit Sitz in Hannover (Niedersachsen) ist als Tochtergesellschaft der Continental AG einer der weltweit größten Hersteller von Kautschuk- und Kunststoffprodukten außerhalb der Reifenindustrie. Das Technologieunternehmen befasst sich mit der Digitalisierung der werkseigenen Produkte. Hierfür, so berichtet Christoph, werden in Hamburg firmeneigene Räumlichkeiten adäquaten Startups zur Verfügung gestellt, um “Elektronik in die Schläuche” zu bringen.

© Anne Gaertner

 

Die Basler AG mit Sitz in Ahrensburg (Schleswig-Holstein) ist ein Unternehmen im Bereich Vision Technology, der Technologie des maschinellen Sehens. Als Entwickler und Hersteller von digitalen Kameras für Anwendungen in Industrie, Verkehr, Medizin und Sicherheit, hat die Aktiengesellschaft besonders Software-Startups mit disruptiven Ideen auf dem Kieker. “Hamburg ist cooler als Ahrensburg”, sagt Mark Hebbel, Head of Software Solutions, mit einem breiten Grinsen und macht damit deutlich, in welchem Hafen er mit JungunternehmerInnen vor Anker gehen möchte.

Moritz Schellenberger verantwortet das Innovation Management bei Lufthansa Industry Solutions GmbH & Co. KG. Als hundertprozentige Tochtergesellschaft der Deutsche Lufthansa AG mit Sitz in Norderstedt (Schleswig-Holstein) ist das IT-Dienstleistungsunternehmen umtriebig in Bezug auf neue Technologien. Die dedizierte Forschung der “IT-Nerds”, wie Moritz augenzwinkernd sagt, soll mit frischen Ideen der Tech-GründerInnen kombiniert und ausgearbeitet werden.

© Anne Gaertner

 

Fielmann Ventures,” stellt Kapitänin Katrin Pietschmann die 2012 gegründete GmbH vor, “steht im Mittelpunkt der Vision von Fielmann, die Brillenindustrie zum Nutzen der Verbraucher zu digitalisieren, ohne die Qualität zu beeinträchtigen.” Neu auf der Agenda stünden Startups, die alteingesessene Retail Erfahrungen im Bereich der Augengesundheit revolutionieren wollen: Online-Sehtests, 3D Lens Fitting auf dem Smartphone und mehr für den Brillenkauf der Zukunft.

In einem Punkt sind sich alle Kapitäne einig: strukturierte Unternehmen sind langsam im Vergleich zu Startups. JungunternehmerInnen manövrieren geschmeidiger durch die bürokratische See und pusten so frischen Wind in die Segel der eingestaubten Verfahrensweisen. Auf der anderen Seite stehen die WirtschaftsführerInnen mit der entsprechenden Expertise und dem nötigen Überblick, um die Blaujacken nicht beim ersten Sturm untergehen zu lassen. Als Exempel für eine hervorragende synergetische Nutzung der jeweiligen Potenziale stehen heute bei Pitch ‘n Ship EVITADO und recalm als nächstes auf dem Podium.

17:00 Uhr – Die Seebären machen klar Schiff

Der finanzielle Aspekt ist ausschlaggebend für die erfolgreiche Existenz eines Unternehmens. Besonders für Startups sind die Möglichkeiten an Geld zu kommen ebenso vielfältig wie hürdenreich.

Ein fruchtbares Kooperationsbeispiel kommt von Andrew Moakes und Alexander Kasinec von EVITADO. Um Schäden beim Manövrieren am Boden zu vermeiden, entwickelt das Startup eine temporäre Einparkhilfe für Flugzeuge. Als globaler Accelerator für die Luft- und Raumfahrt ist das Airbus Bizlab der bestmögliche Partner nicht nur im monetären Bereich. Das Gründerduo berichtet von der hervorragenden Zusammenarbeit und Unterstützung bei der Weiterentwicklung ihrer Idee. Essentiell sei hierbei vor allem das Netzwerk, welches der Accelerator EVITADO zur Verfügung stellt. Auf den ersten Blick sei ersichtlich, welche Corporates sich “Pro Startup – Pro New Ideas” auf die Fahne geschrieben haben und zu einer wechselwirkenden Zusammenarbeit bereit seien.

© Anne Gaertner

 

Ein weiteres gelungenes Beispiel für Zusammenarbeit und Investment mit und durch Corporates bietet recalm. Lukas Henkel berichtet von dem Noise Cancelling Produkt ANCOR, welches speziell in Bau- und Landmaschinen Lärm reduziert und imaginäre Ruhezonen für die MaschinenfüherInnen schafft.
Kurz umreißt Lukas recalms Entwicklungsprozess. “Die Software-Entwicklung ist unsere Kernkompetenz. Die Herausforderung lag zu Beginn in der Hardware, den Facilities und dem KnowHow.” Mit Ralf Ressel haben die Jungunternehmer einen Mentoren an Land gezogen, der mit der Kombination aus Kontakten, Wissen und finanziellen Möglichkeiten zu einer Roadmap beiträgt, die ohne ihn ganz anders (und vor allem wesentlich länger) aussehen würde.

17:15 Uhr – Leichtmatrosen stellen sich vor

Anschließend pitchen sieben Startups und präsentieren sich mit ihren innovativen Ideen. Die anwesenden Corporates sehen sofort, ob eine Zusammenarbeit sinnvolle Wechselwirkungen schaffen kann.

Die erste Präsentationszeit geht an Agreement Solutions. In fünf Minuten erklärt Colin Glass den entwickelten Simulator, der Anwendungen im Bereich Distributed Ledger oder Blockchains quantitativ evaluiert und das für den User optimale Systemdesign identifiziert. Colin zeigt auf, dass komplexe Systeme nur durch Simulationen zuverlässig vorhersagbarer werden.

Oliver Zoeller von Beagle Systems entwickelt mit seinen Mitgründern ein unbemanntes Inspektions- und Transportflugzeug, das legal ohne Sichtkontakt zum Steuerer bis zu 100 km lange Flüge absolvieren kann. Stromleitungs- oder Gleiswartungen können ohne teure Helikopteranmietungen bestritten werden. Im Fokus stehen auch medizinische Transporte von Krankenhaus zu Pathologie.

Als SaaS-Tool für Entwickler macht Generato die Softwareentwicklung effizienter und kostengünstiger. Philip Schenk legt dar, wie die Anwendung zunächst visuell angelegt und anschließend mit Codevorlagen wiederkehrend generiert wird. Softwareentwickung per se sei ineffizient. Mit diesem teilautomatisierten Ansatz will Generato Abhilfe schaffen.

© Anne Gaertner

 

Alireza Shahbaghi stellt die erste Jobmatching-Plattform für LKW-Fahrer und Spediteure vor. Jobmatch.me bringt gewerbliche Arbeitnehmer mit passenden Unternehmen schnell zusammen. Der professionell konstruierte Fragenkatalog für Bewerber und Arbeitgeber macht den klassischen Lebenslauf obsolet. “As easy as Tinder”, beschreibt Alireza die Gründungsvision, die bald auch für Pflegekräfte und weitere nicht-akademische Berufsfelder geöffnet werden soll.

Lignin ist einer der Hauptinhaltsstoffe des Holzes und daher mengenmäßig einer der am häufigsten vorkommenden Naturstoffe. Wienke Reynolds zeigt auf, wie ihr Startup Lignin gezielt aufbereitet, sodass dieser sich vielseitig einsetzten lässt, z.B. in Klebebändern oder als Mikroplastikersatz in der Kosmetik: “Be innovative! Think green! Do Lignin!”, proklamiert Wienke lächelnd. LignoPure liefert nicht nur maßgeschneiderte Lignine und Zwischenprodukte, sondern vor allem Technologietransfer und KnowHow.

Matthias Behr entwickelt mit n.extrude ein 3D-Drucksystem, das den Materialdurchsatz steigert und damit Prozesszeiten erheblich reduziert. Der speziell entwickelte Druckkopf mit dazugehöriger Planungssoftware verringert die Druckdauer um 70% ohne Qualitätsverlust und ist für den wachsenden 3D-Druckmarkt eine Bereicherung.

Die letzten fünf Minuten gehören Daniel Barke. Mit WorkGenius hat er eine Plattform geschaffen, um die Zukunft der Arbeit – von der Aufgabenbeschreibung bis zum fertigen Ergebnis – sowohl für Freelancer als auch für Unternehmen zu gestalten. Sein Startup simplifiziere den Prozess des Recruitments enorm und schafft Abhilfe beim Fachkräftemangel in großen Unternehmen.

18:15 – Alle-Mann-Manöver

Christian und Christoph betreten wieder die Bühne und bitten die Anwesenden sich mit aller Kraft voraus zum Hafenbecken zu begeben. Dort wartet unser Kahn, geduldig und bereit zum Ablegen, auf seine Besatzung.

18:30 Uhr – Schiff Ahoi und Leinen los!

Der nautische Spirit steuert seinem Höhepunkt entgegen. Nun zeigt sich, wer wirklich seefest ist. Die Anker der Barkasse Hamburger Deern” werden gelichtet und wir stechen in die ruhige abendliche See. Die Startups werfen ihre Netze aus. Die Corporates haben spätestens seit den Pitches schon eine Ahnung, wer wie die Faust auf’s Bullauge zu ihnen passt.

© Anne Gaertner

 

18:40 Uhr – Der Smutje bittet zu Tisch!

Nach dem ganzen Palaver im Dock knurren die Mägen. Die Matrosen werden zu einem freibeuterischen Ausschank gebeten. Die Mannschaft von Barkassen Meyer hat ordentlich aufgefahren: neben vegetarischen Häppchen und Frikadellen finden sich natürlich auch Leckereien aus den heimischen Gewässern am kalten Buffet. Auch wenn der Schiffsbauch voll mit Rum wäre, muss sich keiner unserer Seefahrer auf Piratenart einen hinter die Augenklappe kippen, denn der Seemannsknoten ist längst geplatzt und der Kahn brummt vor ergiebigen Gesprächen.

20:00 Uhr – Nu’ mal ab in die Koje … oder?

Das motorisierte Binnenschiff legt wieder an. Die Mariner haben sich ihre Seebeine redlich verdient. Die Gangway zum Erfolg mag noch lang sein. Die Startups sind durch die heutigen Gespräche mit den Corporates in jedem Fall seetauglicher geworden und haben ihre Sextanten und Kompassnadeln angepasst oder neu ausgerichtet. Zurück an Land geht’s nun entweder direkt ab in die Koje oder zum gemütlichen Ausklang des Abends wieder in die Räumlichkeiten des Startup Dock.

Ob ein letzter Shanty gesungen wurde, weiß nur der Klabautermann.


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