Startups und das 1×1 des Fundraisings

Term Sheet, Vesting, Series A-Finanzierung: Startups stoßen bei der Investorensuche auf eine vollkommen unbekannte Welt aus Fachbegriffen, Klauseln und Spielregeln. Nicht selten beginnt mit dem Fundraising ein langer, zermürbender Prozess in Bürokratieschleifen und Endlosauseinandersetzungen mit Anwälten. Viele Teams haben dazu die eine oder andere war story parat. Junge Gründer daran teilhaben zu lassen, darum geht es in unserem Format „Krieg und Frieden.“

Ein kleiner Mutmacher: Ja, die Investorensuche kann auch ziemlich glatt verlaufen. So geschehen bei recalm. Deshalb hört das Publikum an diesem Dezember-Abend im Startup Dock beides, eine war und eine peace story. Für recalm steht Gründer Lukas Rede und Antwort. Für die war story haben wir Michael von PANDA eingeladen.

Eine Zufallsbegegnung auf einer Tech-Konferenz, wo beide Parteien eigentlich fehl am Platz waren: So beginnt die fast märchenhafte Geschichte des erfolgreichen Invests bei recalm. Das Startup hat eine Noise Cancelling-Technologie für Arbeitsmaschinen entwickelt. Der Investor war begeistert von Team und Idee. „Vertrauen spielte in dieser Seed-Runde eine enorm große Rolle“, so Lukas. Das Startup wiederum fand in dem Geldgeber einen strategischen Partner, der ihnen einen Marktzugang und ein Netzwerk bieten konnte. Beide Parteien waren sich schnell einig, dass sie diesen Schritt zusammen gehen wollen.

Dann mussten auch hier Verträge ausgehandelt und Klauseln diskutiert werden, ein langer, aber friedlicher Prozess, der am Ende zu einem für beide Seiten zufriedenstellenden Ergebnis führte. Bis alles festgezurrt war, gab es die eine oder andere schlaflose Nacht, berichtet Lukas: „Man fühlt sich sehr verantwortlich gegenüber seinen Angestellten.“ Aber es bringe nichts, sich verrückt zu machen, dabei helfe einem auch, dass man operativ einfach weitermache und sich auf sein Produkt konzentriere, von dem man ja überzeugt sei.

© Anne Gaertner

 

„Wie schwer kann es sein, für unser cooles Produkt Geld zu bekommen?“ So ist PANDA in das Fundraising gestartet. Mit sehr viel Begeisterung, einem Schuss Naivität – und wenig Vorwissen. „Wir haben viele Fehler gemacht bei der Investorensuche,“ so Gründer Michael. Das KI-Startup – PANDA hilt Unternehmen ihre Fertigungsprozesse mit Hilfe Künstlicher Intelligenz zu optimieren – baute sich kurzerhand einen Chatbot, der automatisch alle Investoren kontaktierte. Es sei aber viel wichtiger Investoren gezielt anzusprechen, so Michael. Man müsse sich als Startup vorher fragen: In welcher Phase bin ich? In welcher Branche arbeite ich? Welches Produkt biete ich an? Viele Geldgeber hätten sich auf verschiedene Bereiche spezialisiert und nur die geeigneten gelte es dann anzusprechen, erklärt Michael.

Wichtig sei ein absolutes Top Pitch Deck und ein dickes Fell. Man bekomme teilweise harte Kritik von den Investoren, müsse unglaublich schnell lernen und sich anpassen. Zeit sei ebenfalls ein nicht zu unterschätzender Faktor, so Michael, PANDA habe neun Monate für das Fundraising gebraucht, ein Gründer habe sich ein halbes Jahr Vollzeit darum gekümmert. Am Ende sei es knapp gewesen, aber dann habe das Startup die Zusage vom High-Tech Gründerfonds, Innovationsstarter Fonds Hamburg und zwei Business Angels über eine Förderung von 1,3 Mio. Euro bekommen. „Ein unglaublicher Moment“, schwärmt Michael.

Da sind sich beide Gründer einig: Auch wenn der Prozess zermürbend, beängstigend und nervenaufreibend sei – am Ende zähle nur, dass es für das Team weitergehe. Ihnen gegenüber saßen viele junge Teams, die diesen steinigen Weg noch vor sich haben. Dankbar stellten sie Fragen und holten sich bei Friedensglühwein und Versöhnungswaffeln wertvolle Tipps von den „alten Hasen“. Ein Format, das wir definitiv wiederholen werden!

Vesting-Klauseln, Proof of Concept, Pre-Seed-Investoren – ihr bewegt Euch gerade durch den Fundraising-Dschungel und habt mehr Fragen als Antworten? Dann haben wir einen Buchtipp für Euch.

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