Du hast eine Geschäftsidee, einen Businessplan und vielleicht schon die ersten Kund:innen. Doch hast du auch an deine Absicherung gedacht? Viele Gründer:innen unterschätzen das Thema Versicherungen in der Startphase oder schieben es auf die lange Bank. Dabei kann ein einziger Schadensfall das junge Unternehmen finanziell in die Knie zwingen. Ob Haftpflichtschaden, Cyberangriff oder der eigene Ausfall durch Krankheit: Wer sich frühzeitig mit den richtigen Policen beschäftigt, schützt nicht nur das Unternehmen, sondern auch sich selbst.
Dieser Ratgeber zeigt dir, welche Versicherungen für Startups unverzichtbar sind, welche je nach Branche sinnvoll werden und wo du getrost sparen kannst.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Betriebshaftpflichtversicherung gehört zu jeder Gründung, denn schon ein einziger Personenschaden kann sechsstellige Summen verursachen.
- Cyberschutz, D&O-Versicherung und Rechtsschutz werden je nach Geschäftsmodell und Teamgröße schnell relevant und sollten nicht erst nach dem ersten Vorfall abgeschlossen werden.
- Die persönliche Absicherung (Krankenversicherung, Berufsunfähigkeit) geht im Gründungsstress oft unter, ist aber genauso existenziell wie die betriebliche Absicherung.
Warum Startups von Anfang an über Versicherungen nachdenken sollten
In der Gründungsphase fließt jeder Euro in Produktentwicklung, Marketing oder Personal. Versicherungen wirken da schnell wie ein lästiger Kostenpunkt. Aber mal ehrlich: Was passiert, wenn eine Kundin in deinem Büro stürzt und sich das Knie bricht? Oder wenn ein Datenleck die Kreditkartendaten deiner Nutzer:innen offenlegt?
Solche Szenarien klingen dramatisch, sind aber Alltag bei Versicherungsgesellschaften. Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) melden kleine Unternehmen jährlich rund 1,2 Millionen Haftpflichtschäden. Ein Stuttgarter Versicherungsmakler kann hier helfen, den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln, statt nach dem Gießkannenprinzip Policen abzuschließen.
Für Startups gilt eine Faustregel: Erst die existenzbedrohenden Risiken absichern, dann die schmerzhaften, zuletzt die lästigen.
Betriebshaftpflicht: Die absolute Grundlage
Die Betriebshaftpflichtversicherung ist so etwas wie der Sicherheitsgurt für dein Unternehmen. Sie springt ein, wenn dein Startup Dritten einen Schaden zufügt, sei es ein Personenschaden, ein Sachschaden oder ein Vermögensschaden. Ohne diese Police haftest du als Gründer:in im schlimmsten Fall mit deinem Privatvermögen.
Was viele nicht wissen: Die Betriebshaftpflicht deckt auch die Kosten für die Abwehr unberechtigter Ansprüche. Sie prüft also zunächst, ob der Anspruch überhaupt gerechtfertigt ist, und wehrt ihn andernfalls ab. Deshalb wird sie manchmal als „passiver Rechtsschutz“ bezeichnet.
Die Beiträge starten bei vielen Anbietern schon ab 150 bis 300 Euro pro Jahr für kleine Startups. Im Vergleich zu einem Schadensfall im fünf- oder sechsstelligen Bereich ist das ein überschaubares Investment.
Berufshaftpflicht: Pflicht für beratende und kreative Berufe
Arbeitest du als Berater:in, Entwickler:in oder im Kreativbereich? Dann reicht die Betriebshaftpflicht allein oft nicht aus. Die Berufshaftpflichtversicherung (auch Vermögensschadenhaftpflicht genannt) schützt dich vor den finanziellen Folgen von Fehlern in deiner beruflichen Tätigkeit.
Ein Beispiel: Du programmierst eine Shopsoftware für einen Kunden, ein Bug führt dazu, dass Bestellungen verloren gehen. Der Kunde verliert Umsatz und stellt dir eine Rechnung. Genau solche Vermögensschäden deckt diese Police ab.
Für IT-Startups, Agenturen und Unternehmensberatungen gehört die Berufshaftpflicht genauso zur Grundausstattung wie ein Laptop.
D&O-Versicherung: Schutz für die Geschäftsführung
Die Directors-and-Officers-Versicherung (D&O) schützt Geschäftsführer:innen und Vorstände vor persönlicher Haftung. In Deutschland haften Geschäftsführende einer GmbH mit ihrem Privatvermögen, wenn ihnen eine Pflichtverletzung nachgewiesen wird. Das kann ein steuerlicher Fehler sein, eine verpasste Insolvenzanmeldung oder eine Entscheidung, die dem Unternehmen schadet.
Klingt übertrieben für ein Drei-Personen-Startup? Nicht unbedingt. Sobald externe Investor:innen an Bord sind, steigt der Druck auf die Geschäftsführung. Und auch Mitgründer:innen können sich gegenseitig in Haftung nehmen, wenn es zum Streit kommt.
D&O-Policen gibt es ab rund 500 Euro jährlich. Wer Venture Capital einsammeln möchte, wird feststellen, dass viele Investorinnen und Investoren eine D&O-Versicherung sogar voraussetzen.
Cyberversicherung: Unterschätzter Schutz im digitalen Zeitalter
Ransomware, Phishing, Datenpannen: Cyberangriffe treffen längst nicht mehr nur Konzerne. Laut einer Bitkom-Studie waren 2023 rund 84 Prozent aller Unternehmen in Deutschland von Cyberangriffen betroffen. Startups sind besonders gefährdet, weil ihre IT-Sicherheit oft noch nicht ausgereift ist.
Eine Cyberversicherung übernimmt die Kosten für:
- Forensische Analyse nach einem Angriff
- Wiederherstellung von Daten und Systemen
- Informationspflichten gegenüber Betroffenen (Stichwort DSGVO)
- Betriebsunterbrechung durch IT-Ausfälle
- Krisenmanagement und PR-Maßnahmen
Gerade für SaaS-Startups, E-Commerce-Unternehmen und alle, die mit sensiblen Kundendaten arbeiten, gehört diese Police ganz oben auf die Liste.
Rechtsschutzversicherung: Wenn es vor Gericht geht
Vertragsstreitigkeiten mit Lieferanten, arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen mit ehemaligen Mitarbeitenden oder ein Wettbewerber, der Abmahnungen verschickt: Rechtliche Konflikte gehören für Unternehmen leider zum Geschäft. Eine gewerbliche Rechtsschutzversicherung übernimmt Anwalts- und Gerichtskosten, sodass du dich nicht aus finanziellen Gründen gegen eine Klage entscheiden brauchst.
Achte bei der Tarifwahl darauf, dass der Rechtsschutz die Bereiche abdeckt, die für dein Startup relevant sind. Arbeitsrecht, Vertragsrecht und gewerblicher Mietrechtsschutz sind für die meisten Gründungen die wichtigsten Bausteine.
Persönliche Absicherung: Dich selbst nicht vergessen
Zwischen Pitch-Decks, Produktlaunches und Teamaufbau vergessen viele Gründer:innen einen entscheidenden Punkt: die eigene Absicherung. Denn ohne dich funktioniert dein Startup nicht.
Zwei Policen verdienen besondere Aufmerksamkeit:
Krankenversicherung: Als Selbstständige:r stehst du vor der Wahl zwischen gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) und privater Krankenversicherung (PKV). Beide Systeme haben Vor- und Nachteile, die stark von deiner individuellen Situation abhängen. Wer am Anfang auf Nummer sicher gehen will, bleibt zunächst in der GKV und prüft später einen Wechsel.
Berufsunfähigkeitsversicherung (BU): Rund jede vierte Person in Deutschland wird im Laufe ihres Berufslebens berufsunfähig. Als Gründer:in triffst du dieses Risiko besonders hart, denn eine staatliche Absicherung gibt es für Selbstständige praktisch nicht. Je jünger und gesünder du bei Abschluss bist, desto günstiger fallen die Beiträge aus.
Welche Versicherungen können warten?
Nicht jede Police braucht Priorität in der Gründungsphase. Eine Inhaltsversicherung für Büromöbel und Technik wird erst relevant, wenn du tatsächlich wertvolles Inventar besitzt. Eine Ertragsausfallversicherung lohnt sich, sobald dein Umsatz so hoch ist, dass ein Ausfall schmerzt. Und eine Schlüsselpersonenversicherung (Key-Person-Insurance) wird interessant, wenn der Wegfall einer bestimmten Person das Unternehmen ernsthaft gefährden würde.
Die Frage ist also nie, ob du dich versichern solltest, sondern wann und in welcher Reihenfolge.
Schritt für Schritt zur richtigen Absicherung
Wie gehst du das Thema am besten an? Eine bewährte Vorgehensweise:
- Risiken identifizieren: Welche Schäden könnten dein Startup existenziell bedrohen? Welche wären schmerzhaft, aber verkraftbar?
- Pflichtversicherungen klären: Je nach Branche gibt es gesetzliche Vorgaben, etwa für bestimmte Berufsgruppen im Gesundheitswesen oder in der Finanzberatung.
- Angebote vergleichen: Nutze unabhängige Beratung statt direkt beim erstbesten Anbieter abzuschließen. Ein guter Versicherungsmakler kennt die Tarife, die zu Startups passen, und verhandelt bessere Konditionen.
- Regelmäßig überprüfen: Dein Unternehmen wächst, dein Team verändert sich, neue Risiken entstehen. Plane mindestens einmal jährlich einen Versicherungs-Check ein.
Häufige Fehler bei der Startup-Versicherung
Zum Schluss noch ein Blick auf die typischen Stolperfallen, die Gründer:innen beim Thema Versicherung begegnen:
- Zu lange warten: Viele schließen Versicherungen erst ab, nachdem der erste Schaden eingetreten ist. Dann ist es zu spät.
- Unterversicherung: Die Deckungssumme zu niedrig ansetzen, um Beiträge zu sparen, kann im Schadensfall teuer werden.
- Überversicherung: Genauso problematisch ist es, aus Angst zu viele oder zu teure Policen abzuschließen, die das Budget belasten.
- Fehlende Transparenz im Team: Wenn nur eine Person im Startup die Versicherungsthemen kennt, entsteht ein Wissensengpass. Dokumentiere deine Policen und teile die Informationen.
FAQ
Welche Versicherung braucht ein Startup als Erstes? Die Betriebshaftpflichtversicherung hat die höchste Priorität, da sie vor den finanziell gravierendsten Risiken schützt. Je nach Branche kann auch die Berufshaftpflicht sofort notwendig sein.
Was kostet eine Grundabsicherung für Startups? Für ein kleines Startup mit zwei bis drei Personen beginnt eine solide Grundabsicherung (Betriebshaftpflicht plus Berufshaftpflicht) bei etwa 300 bis 800 Euro pro Jahr. Mit D&O und Cyberversicherung liegen die Kosten bei 1.500 bis 3.000 Euro jährlich.
Braucht ein Solo-Startup ohne Mitarbeitende eine D&O-Versicherung? Als Einzelunternehmer:in ohne GmbH-Struktur ist eine D&O-Versicherung in der Regel nicht nötig. Sobald du eine GmbH gründest oder externe Investor:innen einsteigst, sieht das anders aus.
Kann ich Versicherungsbeiträge steuerlich absetzen? Ja. Betriebliche Versicherungen sind als Betriebsausgaben voll absetzbar. Das mindert deinen Gewinn und damit die Steuerlast. Persönliche Versicherungen wie die BU lassen sich als Sonderausgaben geltend machen, allerdings nur bis zu bestimmten Höchstgrenzen.
Ab wann brauche ich eine Cyberversicherung? Sobald du personenbezogene Daten verarbeitest, digitale Produkte anbietest oder auf funktionierende IT-Systeme angewiesen bist. Für die meisten digitalen Startups bedeutet das: ab Tag eins.
